Kreditrisiken und Rating – Heilberufler aufgepasst!

Banken haben seit vielen Jahren verschiedene Gesetze und Regelungen zu berücksichtigen, die eine ordnungsgemäße Kreditvergabe regeln.

Beispiele hierfür: Das Kreditwesengesetz (KWG), die Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft (MAK), oder die zuletzt unter dem Namen „Basel“ bekannt gewordenen Eigenkapitalrichtlinien. Die Eigenkapitalrichtlinien regeln u.a. das Verhältnis von Kreditrisiken und dem durch die Banken zu unterlegenden Eigenkapital. Was bedeutet das in der Praxis?

Zwei Beispiele zur Verdeutlichung:

  1. Ein Arzt hat eine hohe Verschuldung sowie niedrige Praxisüberschüsse. Die Praxiskonten werden häufig überzogen. Er beantragt bei seiner Bank einen zusätzlichen Kreditrahmen von € 50.000 zur Stützung seiner Liquidität. Zusätzliche Sicherheiten können nicht gestellt werden.
  2. Eine Apothekerin verfügt über eine ausgezeichnete Liquidität bei exzellenten Vermögensverhältnissen. Sie beantragt bei ihrer Bank eine Immobilienfinanzierung zur Altersvorsorge. In die Finanzierung werden 50 % Eigenkapital eingebracht.

An diesen beiden plakativen Beispielen wird der Risikounterschied deutlich.

Beispiel 1 zeigt ein verhältnismäßig hohes Risiko für die finanzierende Bank. Sie wird hierfür durch Unterlegung eines hohen Eigenkapitalbetrages „bestraft“. Im Gegensatz dazu stellt die Finanzierung im Beispiel 2 ein geringes Risiko dar.

Warum verursacht die Eigenkapitalunterlegung Zusatzkosten für Banken?

Banken müssen ihr Eigenkapital in der Regel am Kapitalmarkt „einkaufen“. Den Geldgebern müssen sie hierfür einen lukrativen Gegenwert durch z.B. relativ hohe Zinsen (deutlich höher als z.B. bei Bundesanleihen) zahlen. Durch diese Zinszahlungen an externe Geldgeber reduzieren sich die Gewinne der Banken (von sogenannten Ausfallrisiken und zusätzlichen Betreuungskosten einmal ganz abgesehen).

Daher haben Banken das höchste Interesse vornehmlich sehr gute oder zumindest gute Finanzierungen zu begleiten. Denn hier ist die Pflicht zur Eigenkapitalunterlegung deutlich geringer.

Rating:

Um einen objektiven Blick auf die Risikosituation ihrer Kunden zu erhalten, haben alle Banken Ratingsysteme eingeführt, die sie bei der Risikoeinschätzung technisch unterstützen.

Ein Kreditrating schätzt die Wahrscheinlichkeit ein, mit der ein Kreditnehmer, die aufgenommenen oder beantragten Kredite störungsfrei zurückzahlen kann und wie hoch ein möglicher Kreditausfall sein kann.

Die Grundlagen für ein Rating stellen interne Daten, sowie externe Informationen, wie z.B. Branchenanalysen über das Gesundheitswesen, dar.

Die internen Daten setzen sich zusammen aus…

harten Faktoren, wie z.B. der Auswertung der letzten 3 Einnahmen-/Ausgabenrechnungen/Bilanzen, sowie der Analyse der Vermögensverhältnisse des Kreditnehmers etc. und aus

weichen Faktoren, wie z.B. Informationen zur Kontoführung, kaufmännische Qualität und Qualifikation des Praxisinhabers, familiäre Verhältnisse etc.

Die Daten werden gewichtet und das Ergebnis wird durch eine „Benotung“ abgebildet.

Merke: Je besser die Zahlungsfähigkeit eingeschätzt werden kann, desto positiver fällt die Benotung aus. Ein gutes oder sehr gutes Rating verbessert die Basis der Gespräche mit den Banken häufig erheblich und kann sich spürbar positiv in den Konditionen auswirken.

Warum ist das so?

Je besser ein Rating-Ergebnis ausfällt, umso niedriger fällt –wie oben ausgeführt- der zu unterlegende Eigenkapitalanteil für die finanzierende Bank aus.

Also: Wenn ein Kreditnehmer über ein Spitzen-Rating verfügt, wird die finanzierende Bank nur wenig „fremdes Eigenkapital“ einsetzen müssen. Sie kann entweder Zinsaufwendungen sparen oder mit diesem teuren Eigenkapital vielen anderen guten Kunden mit Krediten zur Verfügung stehen. Hierdurch wird die Ertragskraft der Bank gestärkt.

Sollte eine Bank viele schwache Kredite in ihrem Bestand haben, schränkt sie hierdurch ihre Kreditvergabemöglichkeit ein oder muss zusätzlich teures Eigenkapital am Markt einkaufen. Diesen Nachteil muss der Kunde in der Regel auch über höhere Kreditzinsen bezahlen.

Wie finden Sie die richtige Bank?

Bei einem Rating sollte eine Bank auf eine Vielzahl intern vorliegender Daten z.B. über Apotheken oder Praxen, Fachgruppen, Wirtschaftlichkeit sowie das Marktumfeld, zurückgreifen können. In Verbindung mit der Auswertung der persönlichen Bonität des Kunden kann die Bank das aktuelle Kreditrisiko rechnerisch gut einschätzen.

Hierdurch werden verschiedene Vorteile erzielt. Unter anderem:

  1. Schnelle Kreditentscheidung
  2. Vorteilhaftere Konditionen

Tipp: Bei der Auswahl Ihrer Bank achten Sie darauf, dass diese die Berufsgruppen „Ärzte, Zahnärzte und Apotheker“ mit ihren Ratingsystemen abbilden kann.