Achten Sie auf die Kosten Ihrer Geldanlage!

Ein Zahnarzt möchte sein aktuelles Barvermögen in Höhe von € 70.000,00 anlegen. Der Anlagezeitraum liegt bei 5 Jahren. Der Geldbetrag liegt seit einigen Monaten auf einem Tagesgeldkonto und soll nun mehr „abwerfen“. Die Praxis läuft zufriedenstellend, alle Steuern sind bezahlt.

Zunächst spricht er mit seiner Hausbank. Vorab des persönlichen Gesprächs, erhält er eine Broschüre, in der die Vermögensverwaltung des Hauses dargestellt wird. Eine Mischung aus Anleihen, Immobilien und Aktien versprechen ertragreich und sicher zu sein. Dies deckt sich mit den wesentlichen Zielen unseres Zahnarztes. Soweit so gut…

So weit so gut: nun zu den Kosten

Ein Blick in die Bedingungen zeigt: Der Einstieg in die Vermögensverwaltung kostet einmalig 3,00%. Die jährliche Betreuung nochmals rund 1,50%. Außerdem wird eine Beteiligung von 20,00% des Ertrags, bei Erreichen einer bestimmten Wertentwicklung, aufgeführt.

Wo liegt der Nutzen?

Annahme: das Geld verbleibt 5 Jahre in dieser Anlage, dann verteilen sich die Einstiegskosten von 3,0% auf die Laufzeit, also rd. 0,60% pro Jahr. Hinzu kommt die jährliche Verwaltungsgebühr von 1,50%. Allein durch diese Annahmen, ohne Gewinnbeteiligung,  zahlt unser Zahnarzt jedes Jahr mehr als 2% für Verwaltungskosten.

Bei Annahme einer Wertentwicklung von 3% pro Jahr verbleibt ein Ertrag von < 1% pro Jahr – vor Steuern. Das liegt heute leicht über dem Niveau klassischer Tagesgeldanlagen. Nach Abgeltungsteuer und Inflation, wird das Vermögen sogar laufend weniger.

Egal, ob monatliches Honorar, Gewinnbeteiligungen, Verwaltungs-, Management-, Depotführungsgebühren oder einmalige Ausgabeaufschläge berechnet werden, es lohnt sich immer, die einmaligen und laufenden Gebührenpositionen in Euro und Cent zu notieren und mit Ihrer Bank zu besprechen bzw. zu verhandeln.

Achtung: aktive Beratung

Wenn Banken mit einer aktiven Beratung werben, ist es ziemlich sicher, dass Ihnen in den kommenden Jahren mehrfach der Tausch von gut oder schlecht laufenen Papieren angeboten wird. Ein Tausch verursacht neue Kosten, auch wenn Ihnen für den Folgewechsel  Sonderkonditionen angeboten werden sollten.

Unterschätzen Sie nicht die laufenden Kosten

Geldanlagen kosten Geld, das ist klar! Für diese Gebühren können Sie eine, auf Ihre Bedürfnisse, zugeschnittene Beratung verlangen. Im Falle unseres Zahnarztes ist das Vermögensverwaltungsmandat nicht passend, da er in den kommenden Jahren eine Familie gründen möchte und sich hierdurch seine finanziellen Notwendigkeiten deutlich verändern. Daher geht es in diesem Beispiel weniger um Ertrag und Rendite, sondern mehr um Sicherheit und Verfügbarkeit.

Gedanken für eine solide Verteilung:

  • € 20.000 sollten auf einem privaten Tagesgeldkonto „geparkt“ ,
  • € 40.000 können zu gleichen Teilen in solide festverzinsliche Anlagen mit Laufzeiten von drei und vier Jahren angelegt und
  • € 15.000 in solide Aktien (Fonds) investiert werden, damit Rendite und Risiko seiner Gesamtanlage angemessen sind.

Das scheint – auf den ersten Blick – eine relativ langweilige Anlageempfehlung zu sein, doch Geldanlage muss wirklich nicht aufregend sein, es sei denn, Sie haben viel Zeit oder etwas zu verschenken.

Kostenschere bei regelmäßiger Anlage:

Angenommen es besteht ein Sparguthaben von rd. € 15.000, das durch jährliche Zahlung von rd. € 2.000 in den kommenden 12 Jahren vermehrt werden soll. Diese Beträge können entweder in einen

  1. klassischen gemischten Fonds (mit 3% Anlageaufschlag und jährlichen Kosten in Höhe von 2,35%) oder einen
  2. soliden ETF (Exchange-traded fund – grob gesagt: Investmentfonds, die Börsenindices nachbilden) mit gleicher Risikoverteilung (ohne Ausgabeaufschlag, jährlichen Kosten in Höhe von 0,7% und Transaktionskosten von 0,25%) investiert werden.

Bei angenommener gleicher Wertentwicklung von 6% p.a., besteht am Ende der Laufzeit von 12 Jahren, durch gesparte Gebühren, eine Differenz von rd. € 7.600 zu Gunsten der Variante 2. Zu Besonderheiten und Risiken einzelner ETF-Anlagemöglichkeiten lassen Sie sich von Spezialisten bitte ausführlich beraten.

Wer mit seinem Sparguthaben zur Bank geht sollte wissen, dass Banken Wirtschaftsunternehmen sind und zunächst dem eigenen finanziellen Wohl verpflichtet sind. Ein Gespräch über die Kosten ist nicht ehrenrührig…